Die 125 jährige Geschichte der

Trachtenmusikkapelle Waldburg

Blasmusik im neuen Sound 

125 Jahre Musikkapelle Waldburg

Vieles ändert sich,
manche Dinge bleiben gleich

Selbst auf die Trachtenmusikkapelle Waldburg, die sich in den letzten Jahren dem Motto "Blasmusik im neuen Sound" verschrieben hat, trifft dies zu.

Stöbert man in den Notenarchiven Waldburgs findet man zahlreiche Stücke die damals wie heute gespielt werden. Ein besonderer Dauerbrenner scheint der Trauermarsch Santa Lucia zu sein. Dieser Marsch wurde nachweislich schon in den 90er Jahren des 19. Jahrhunderts gespielt und ist heute noch Bestandteil eines jeden Begräbnisses in Waldburg. Dieser Marsch klingt sehr melodiös und erregt auch heute noch immer die Aufmerksamkeit bei Besuchern, insbesondere wenn diese Musiker sind. Alte Ländler, Jodler und Weisen, wie zum Beispiel die heutige Landeshymne der Steiermark "Am Dachstein" waren im Repertoire der populären Stücke. Heute hört man manchmal Leute leicht abfällig über das damalige musikalische Niveau reden. Ja, was die professionelle Ausbildung des Musikernachwuchses in den Landesmusikschulen betrifft, mögen sie recht haben, nicht aber was die Begeisterung der Musiker und die Schwierigkeit der gespielten Stücke aus vergangenen Tagen betrifft. Blättert man das Marschbuch aus 1893 durch, findet man Märsche mit einem erstaunlichen Schwierigkeitsgrad, der beeindruckend ist. Da stoßen heute noch viele gut ausgebildete Musiker an die Grenzen ihres Ansatzes.

Das Gründungsjahr 1879 der Musikkapelle Waldburg fällt in die Zeit der großen Marschkapellen. Besonders in Wien hatte die Marschmusik ihre Blütezeit. Besonders hervorzuheben sind die Militärkapellmeister Carl Michael Ziehrer (1843 bis 1922), Karl Komzak (1850 bis 1905) und Franz Lehar (1870 bis 1948). Die österreichische Militärmusik des 19. Jahrhunderts genoss Weltruhm. Diese Regimentskapellen haben bei ihren zahlreichen Auftritten ein Idealbild der Blasmusik hinterlassen, das man auch im kleinsten Dorf nachzuahmen versuchte. Genau diese Tatsache widerspiegelt sich in den Marschbüchern der Musikkapelle Waldburg aus dieser Zeit. Zackige Militärmärsche wurden gespielt, wie etwa "Die Fahne des Kaisers", "Cavallerie Marsch", "Kanonen Marsch, "Patrioten Marsch" etc. Aber auch Märsche die noch heute gern gehört werden, wie "Castaldo Marsch", "Wien bleibt Wien", oder "Unter dem Doppeladler". Also durchwegs sehr schwierige Märsche.

Das damalige Marschbuch der Musikkapelle blieb bis in die 20er und 30er Jahre des 20. Jahrhunderts in dieser Form bestehen. Da den Kapellen keine Vervielfältigungsmaschinen zur Verfügung standen, mussten einige Musiker, ausgestattet mit der Eigenschaft eine schöne Notenschrift zu haben, die Notenbücher selbst abschreiben. Erstaunlich, dass diese Bücher bis heute erhalten blieben, obwohl auch diese bei jeder Witterung verwendet wurden und keinen Plastikfolienschutz hatten.

Tanzmusik

Schon vor der Gründung der Musikkapelle im Jahre 1879 gab es verschiedene kleinere Tanzkapellen, welche die geselligen Veranstaltungen in und rund um Waldburg umrahmten. Die ersten namentlich bekannten Musiker waren wohl Josef Kunst, Josef Übermaßer (1820 bis 1897) und Franz Sumper. Sie musizierten in der ersten Hälfte des 19. Jahrhunderts auf Hochzeiten und bei kirchlichen Anlässen.2 Zu den Auftritten mussten lange Wegstrecken zu Fuß zurück gelegt werden. Die Musiker spielten meist mehrere Instrumente und hatten diese natürlich auch mitzutragen. Man stelle sich die sportliche Großtat vor, eine Bassgeige von Waldburg nach Linz, um der Musik willen, zu tragen. Eine Tanzkapelle umfasste sieben Personen. Aus dem Notenheften für Tanzmusik aus dem Jahre 1899 von Franz Übermaßer (1862 bis 1942) geht hervor, dass die damals neuersten Stücke aus der Unterhaltungsmusik bereits in Waldburg aufgeführt wurden, wie "Wiener Bürger" ein Walzer von Carl Michael Ziehrer. Die Besetzung dieses Ensembles war eine Klarinette in B, eine Klarinette in Es, ein Bass, ein Bassflügelhorn in B für die Begleitung sorgen zwei Trompeten in Es, und als Melodieinstrument fungierte das Flügelhorn. Das zweite Flügelhorn blieb im Gegensatz zu vergleichbaren heutigen Ensembles unbesetzt.

Entwicklung der Musikkapelle Waldburg

1879 ist das Gründungsjahr der Musikkapelle Waldburg. Josef Schwarz, Organist in Waldburg war der Kapellmeister. Ein begeisterter, vielseitiger Musiker aber auch gestrenger Herr, so berichtet eine Enkelin. Die alten Musiker wussten immer wieder davon zu erzählen, dass Schwarz von der kirchlichen Obrigkeit das Tanzblasen neben seiner Organistentätigkeit untersagt wurde. So widmete er sich ausschließlich der Leitung und der Ausbildung der Blasmusikkapelle.

Die Gesamtentwicklung und der wirtschaftliche Aufschwung Österreichs zu Beginn des 20. Jahrhunderts hatte auch seine Auswirkung auf Waldburg. Das Bruttoinlandsprodukt des Jahres 1913 hatte ein Niveau erreicht, dass erst einige Zeit nach dem Ende des 2. Weltkrieges, also in den 50er Jahren überboten werden konnte. Österreich war weltweit das einzige Land, das in der Zwischenkriegszeit kein Wirtschaftswachstum verzeichnen konnte. Diese historischen Ereignisse spiegeln sich im Zusammenleben der Menschen in Waldburg wider. Die Photographie von der Glockenweihe am Pfingstmontag 1914 zeigt ein pulsierendes Dorfleben in Waldburg bei der die Musikkapelle eine zentrale Rolle dieser Festlichkeit spielt. Der Ausbruch des 1. Weltkrieges wirkte sich auf das gerade gefestigte Häuflein Musiker verheerend aus. Bei der Fahnenweihe der Marianischen-Jungfrauen-Kongregation am 15. Oktober 1916 zum Beispiel, konnte der Kapellmeister nur mit fünf Musikern antreten. Die anderen Kameraden waren an allen Fronten des Krieges, weit weg von der Heimat, verstreut.

Nach dem Krieg ordnete der Kapellmeister Josef Schwarz die Musikkapelle neu, was eine schwierige Situation war, da die sozialen Verhältnisse denkbar schlecht waren. Fast niemand besaß Geld. Besonders schlimm traf die Menschen die Weltwirtschaftskrise. Am 24. Oktober 1929, dem so genannten "Schwarzen Freitag", brach in New York die Börse zusammen. Die Krise griff dann auf andere Länder über. Über England durch den Außenhandel mit den USA und daraufhin auf Deutschland durch den Kapitalverkehr. 1931 setzte mit dem Zusammenbruch der "Österreichischen Creditanstalt" die eigentliche Katastrophenphase in Österreich ein. Eine Abwertungswelle wurde losgetreten. So berichtet der ehemalige Musiker Hermann Hießl von seinem Vater, dem Schustermeister Franz Hießl, dass dieser Ende der 20er Jahre einen großzügigen Umbau seines Hauses plante. Als dann die Inflation die Ersparnisse zerstörte musste er auf den Umbau verzichten und kaufte sich von dem verbliebenen Rest ein Musikinstrument, nämlich ein Helikon, was noch heute existiert. Anhand dieses Beispieles sieht man, wie wichtig die Musik auch in schwierigsten Zeiten für die Menschen ist.

 

 

Die Musiker der damaligen Zeit waren sehr vielseitig. Die meisten beherrschten mehrere Instrumente. Aus den Reihen der Musikkapelle ging auch ein Streichquintett hervor. Eine Photographie aus dem Jahre 1919 zeigt dieses. Streichinstrumente waren in dieser Zeit besonders beliebt. In den Archiven ist zahlreiches Notenmaterial von Violinduetten vorhanden, etwa von Josef Haydn oder F. Mazas. Im Gegensatz zu dem Notenmaterial der Musikkapelle wurden diese Noten nicht abgeschrieben, sondern waren Druckwerke von verschiedenen Musikverlagen.

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